SonoLog Britta Scherer

Mindestlohn in der Logistik

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was wir von unseren französischen Nachbarn lernen können

Seit mehr als drei Jahren gilt nun schon das Loi Macron in Frankreich. Dies sichert allen in Frankreich und in Frankreich fahrenden (auch aus anderen europäischen und vor allem Drittländern) kommenden Fahrern den französischen Mindestlohn zu.  Der Aufschrei war groß als seinerzeit klar war, dass dies eine Erhöhung um ca. 7 % der Frachtkosten für deutsche Unternehmer verursacht.

Noch viel größer war das Delta bei Komplettladungsverkehren, die analog zu Deutschland sehr häufig mit osteuropäischen Fahrern / Subunternehmern durchgeführt werden können. Kein Wunder, denn die Erhöhung resultiert nicht allein aus den steigenden Personalkosten, sondern vor allem aus den Dienstleistern, die die Einhaltung des Gesetzes dokumentieren. 

Von „nicht mehr erträgliches Maß“ und „unzumutbar für Verlader aus Industrie und Handel“ kam da schnell der Aufschrei. Nüchtern betrachtet war die Intention des damaligen Wirtschaftsministers natürlich auch die Protektion der heimischen Wirtschaft. Wenn es denn ausreichend Fahrer gäbe, wäre dieser Schluss ja auch absolut gerechtfertigt. Warum einen Fahrer aus einem anderen Staat einsetzen, wenn der keinen finanziellen Vorteil bringt. Die Wahrheit ist aber auch in Frankreich eine andere. Auch in Frankreich fehlen über 43.000 Fahrer (Quelle: https://www.la-croix.com/Economie/France/Routier-profession-nattire-plus-2019-07-23-1201037140), so dass die Maßnahme für den heimischen Markt eigentlich ins Leere läuft. 

Die interessanteste Frage ist jedoch: hat die Einführung damit dem Handel / Außenhandel mit Frankreich geschadet? Die Statistik zeigt ein recht eindeutiges Bild: nein! Die Bilanz ist weiterhin auf erfolgreichem Kurs,  mit jährlich kontinuierlichem Anstieg. Selbst, wenn sich die Außenhandelsbilanz im Laufe der Jahre abschwächen sollte, könnte das nicht mehr unmittelbar auf Frachterhöhungen im Zuge des Loi Macron zurück zu führen sein.  

Was lernen wir daraus? Sicher ist eine wettbewerbsfähige Kostensituation der Industrie- und Handelsunternehmen nicht zu vernachlässigen. Aber muss Wettbewerb immer nach unten gehen? Können nicht auch durch gleichwertige Bezahlung osteuropäischer Fahrer deren Lebensbedingungen so angepasst werden, dass sie sich einem Wettbewerb aus Zuverlässigkeit, Konzepten, Leistungsfähigkeit und Vernetzung stellen und nicht mehr automatisch billiger sind. Wie wäre es, wenn jeder Fahrer in einem Polensprinter in Deutschland nachweisen müsste, dass er deutschen Mindestlohn bekäme? Würde dann der Einsatz – schließlich ist Volumen und Lastaufnahmekapazität wesentlich geringer – überhaupt Sinn machen? Wäre damit nicht eine Schneise geschlagen für die Rekrutierung dieser Fahrer für Berufskraftfahrer 1. Klasse, sprich dringend benötigte vollumfänglich einsetzbare Fahrer mit CE-Qualifizierung? Aus meiner Sicht ja. Also: nicht nur ein Verteuern der Personalkosten, sondern Nutzung der Bereitschaft, einige Zeit von zu Hause wegzubleiben. Umwandlung in „ordentliche“ Beschäftigungsverhältnisse, weg von Hängematten im Führerhaus?

Für mich eine echte Chance der Politik in Richtung Fachkräftemangel bei gewerblichen Fahrern. Wie am Beispiel Frankreich zeigt sich, dass die Wirtschaft und natürlich auch die Endverbraucher, an die die Kostensteigerungen weiter gereicht werden, aushalten. Ich wünschte unsere Politiker hätten den Mut. Vive le Loi Macron und die Lehren, die wir daraus für uns ziehen können.

Beitragsbild Quelle: Photo by Marcin Jozwiak on Unsplash

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Britta Scherer

Unternehmensberaterin für Logistik. Interim Managerin und Dozentin.

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